[Das Wort zum Sonntag] Das Beste

Vor einer Weile hab ich in einer Kolumne folgenden Satz gelesen:
»Jeder versucht zum jeweiligen Zeitpunkt sein Bestes.«

Und er hat mich nicht mehr losgelassen. Ich mag die Vorstellung. Sie macht mir einiges leichter.

Ich will damit keine Verantwortung abgeben oder Dinge mit einem Schulterzucken abtun. Worte und Taten, die mich verletzt haben, bleiben verletzend. Menschen, die mir wehgetan haben, bleiben schmerzhafte Erinnerungen. Aber ich kann meine Wut, meine Verzweiflung, meine Fragezeichen abgeben. Denken:

Sie konnten es einfach nicht besser, in diesem Augenblick.

Und wir sind doch alle nur menschlich, unperfekt, mit ganz eigenen Steinen in unserem Rucksack, die uns niederdrücken und über die wir mit niemandem sprechen. Wer mir wehgetan hat mit seinen Worten und seinen Taten, der hat mir in diesem Moment alles gegeben, zu dem er fähig war. Vielleicht sogar das Beste für mich gewollt.

Das nimmt mir die Wut. Lässt mich verstehen. Oder im schlechtesten Fall sogar Mitleid fühlen, dass da einfach nicht mehr da ist, dass das schon das Beste gewesen sein soll, was jemand zu geben vermag. Und gleichzeitig beruhigt es mich, dass ich mit all meinen Fehlern und Unsicherheiten und eigenen Steinen nicht die alleinige Schuld an dem trage, was geschehen ist.

Denn auch ich habe zu diesem Zeitpunkt mein Bestes gegeben.

Dabei doch nicht auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen ist traurig, schade und vielleicht trotz allem nicht zu verstehen. Und dennoch: Wir haben unser Möglichstes versucht.

Auch, wenn das eben manchmal einfach nicht ausreicht…

Cliffs of Moher Ireland Lookout

 EN

A while ago I read the following sentence in a column:

»Everybody is trying to give their best in any given moment.«

And I keep on thinking about it because I like the idea. It makes things easier for me.

I don’t want to hand over responsibility for things that happened or simply shrug them off. Words and actions that hurt me are still hurtful. People that hurt me are still painful memories. But I can let go of my anger and all the questions marks, thinking:

They could not to better at that time.

We are all human, imperfect and carrying our own backpack of things we’re not talking about to anyone. If somebody hurt me with their words or actions they gave me that best they could. Maybe the even wanted the best for me.

This takes away my anger. My frustration. And makes me understand. Sometimes it even makes me feel pity – because I am thinking: That’s really the best someone can give? And at the same time it calms me down to know that what happened is not entirely my fault, despite all my faults and insecurities and my own backpack.

Because I tried my best at that time.

But sometimes, even giving your best is simply not enough…

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